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Das Unperfekthaus, das diese Projekte alleine (Fassaden-Galerie) bzw. in Kooperation mit der Stadt Essen (Speakers' Corner 2.0) vorgeschlagen hat, ist eine neue Art von Sprungbrett, auf dem Gründer, Künstler oder Gruppen ohne finanzielle Risiken eigene Projekte ausprobieren und Publikum bzw. Kunden dafür finden können. Also keine VHS, keine Universität (die auf Ausbildung ausgerichtet sind) und auch kein Gründerzentrum oder Künstlerhaus (in denen Gründer & Künstler unter sich arbeiten), sondern ein auf Publikum und TUN ausgerichteter Ort. Das Haus hat eine erstklassige Lage direkt neben dem Einkaufszentrum, war aber (als ehemaliges Kloster) sehr geschlossen nach außen. Dank des Ziel2-Wettbewerbs konnten wir das Unperfekthaus nach außen öffnen – die „Fassaden-Galerie“ ist ein vertikaler Kreativwanderweg 'rauf und 'runter an der Fassade, begrünt (sobald es wärmer wird), voll mit Kunstwerken und Blick in die Ateliers. |
Und mit „Speakers' Corner 2.0“ hat die Stadt Essen eine öffentliche Präsentationsfläche bekommen, für all' diejenigen, die Vorträge halten möchten. Mitten in der Fußgängerzone, mit Internet, Stromanschluß und Leinwand. Version 2.0 von dem, was die Großen Briten 1872 begonnen und nie fortentwickelt hatten... ;-) Beide Maßnahmen (SC2.0 für darstellende, FG für bildende Kreative) ergänzen die gewachsene Innenstadt durch Sichtbarmachen von Gründern und Kreativen. Hier ist ein einzigartiges Sprungbrett entstanden für diejenigen, die das wollen und gleichzeitig ein Ansporn für alle anderen, die noch überlegen. Wenn man sieht, was andere tun, dann sinkt die Hemmschwelle - egal, ob daraus ein Beruf wird, oder ob es Hobby bleibt (beides ist im Anfang eh nicht zu unterscheiden). Das Spektrum dessen, was wir in der Innenstadt tun können, wird erweitert. Dadurch kommen Menschen in die City, die sonst einen Bogen darum machen. |


Fassaden-Galerie und Speakers' Corner wurde ausgewählt im Rahmen des aus dem EFRE
kofinanzierten Operationellen Programms für NRW im Ziel
"StandortInnenstadt. NRW". Wir freuen uns, daß diese große Baumaßnahme durch dieses Programm ermöglicht wurde - dies
ist eine Einmal-Förderung, und zwar die erste und einzige
Förderung, die das privatwirtschaftlich betriebene Unperfekthaus
bekommen hat. Unser Ziel ist nach wie vor, mit dem Unperfekthaus nicht
nur gesellschaftliche Gewinne zu stiften, sondern auch
privatwirtschaftlich Gewinn zu machen. Sobald das gelingt, werde ich es
laut bekanntmachen - in der Hoffnung, daß ganz viele
Unperfekthäuser in anderen Städten möglich werden,
sobald bewiesen ist, daß ein Unperfekthaus auf eigenen Beinen
stehen kann.
Und das ist zu großen Teilen logisch, denn die Bedürfnisse der Bewohner von Düsseldorf und die der Einwohner von Essen sind so verschieden nicht. Es ist richtig, daß all das, was sich irgendwo bewährt hat, über Filialketten auch in andere Städte kopiert wird. Und genau deshalb brauchen wir ergänzende Strukturen, die das Angebotsspektrum unserer Innenstädte durch ORIGINALE verbreitern.
Auf diese ORIGINALE kommt es an! Sie machen
den Unterschied zwischen Düsseldorf und Essen aus, sie verlocken
uns zum Austausch und geben den Städten Charakter. Denn über
die Basis-Bedürfnisse nach Bekleidung und Pizzerien hinaus gibt es
ein permanentes Interesse an ORIGINALEN, an Dingen, die man woanders
noch nicht gesehen hat. Genau dieser Wunsch spiegelt sich in der Klage
über die Innenstädte, die „alle gleich sind“. Und es gibt
ORIGINALE in unseren Städten! Massenweise!
Man darf ORIGINALE nur nicht vorwiegend bei den Großunternehmen suchen, die relativ zur Größe nur wenige kreative Köpfe haben und deren Aufgabe vor allem darin besteht, ganz wenige (oft nur ein einziges!) erfolgreiche Konzepte in die Breite von hunderten von Filialen zu bringen.
Das Herumprobieren ist sinnvollerweise in kleinen Strukturen angesiedelt, wo ganz viele kreative Köpfe existieren und wo mißglückte Experimente weniger Schaden anrichten, als in Filialketten.
Wer ORIGINALE in den Innenstädten will,
muß Existenzgründer, Hobbyisten, Künstler, Vereine,
Gruppen, kleine und mittlere Unternehmen sichtbar machen. Dort
existiert ein verborgener Schatz an BarCamps, Twittochs, Gadgetabenden
und UserGroups, da werden neue Lampen kreiert, Heizturbos ausprobiert,
neue Kunstrichtungen, junge Musikbands uvm..
Mit dem Unperfekthaus, seiner „Fassaden-Galerie“ und der benachbarten „Speakers' Corner 2.0“ versuchen wir genau dieses in Essen (vermutlich einzigartig auf der Welt). Orte, an denen Individuen und Gruppen sich mit ihren Projekten austauschen und öffentlich sichtbar werden, mitten in der City. Das ist ein Pool, in dem die Experimente gemacht werden, aus denen Neues entsteht. Und dieser Pool wäre in jeder Innenstadt anders, wenn es ihn auch woanders gäbe.
Ich bin fest davon überzeugt, daß das „Anbieten von Möglichkeiten“ in Verbindung mit öffentlicher Sichtbarkeit von Gruppen, Gründern und Künstlern einen ganz enormen positiven Effekt auf unser Zusammenleben und auf das kreative Klima unserer Städte haben wird und ganz neue Bevölkerungsgruppen in die Städte zieht. Und ich freue mich sehr, daß die Landesregierung, die Jury und auch die Verantwortlichen in der Stadt Essen solch' ungewöhnliche Projekte unterstützen, obwohl diese neu sind und noch nie bewiesen haben, daß sie funktionieren. Genau so muß es sein: Wir müssen experimentieren, denn die „Innovation“, die wir alle wollen, ist nur das erhoffte Ergebnis von ganz viel „Experimentieren“!
Essen, den 7.2.2010
Unperfekthaus, Inh. Reinhard Wiesemann, Friedrich-Ebert-Str. 18, 45127 Essen-City, Tel. 0201-84735-0, Mail: info@unperfekthaus.de